Diesen Montag hatten wir die erste Gartenbegehung für eine Prämierung im Rahmen des vom Bundesverband der Bahn-Landwirtschaft beworbenen Projektes „Tausende Gärten – Tausende Arten“.

Für die Prämierung kann man sich bewerben, wenn der Garten (oder auch ein Balkon) größtenteils mit einheimischen Wildpflanzen gestaltet ist und bei der Gestaltung auf die Förderung der biologischen Vielfalt geachtet wird. Die Vielfalt an Pflanzenarten – auch abhängig von der Blühzeit – fließen in die Bewertung ebenso ein, wie die schonende Pflege ohne Mineraldünger und Gifte und auch die ästhetische Gestaltung. Begrünte Fassaden, Regenwasserspeicher und natürliche Baumaterialien wie Steine und Holz spielen eine Rolle. Auf der Webseite des Projektes steht: „Die Auszeichnung soll die Pionierarbeit derjenigen würdigen, die naturnah und umweltfreundlich gärtnern und diese Idee weitertragen.“

Obst- und Gemüsebeete ausgenommen

Bei der Bewertung fließt nur der Teil des Gartens ein, der nicht als Obst- oder Gemüsebeet bewirtschaftet wird. Eine artenreiche Mischkultur wirkt sich jedoch auch hier segensreich für die Artenvielfalt und gleichzeitig positiv auf den Ertrag aus. Nicht nur bei den Nähstoffen profitieren unterschiedliche Pflanzen im Beet voneinander. Einen wichtigen Beitrag für den Lebensraum seltener Insekten leisten abgestorbene Pflanzenstängel – auch in den Beeten – aber nur, wenn man sie über den gesamten Winter bis in den Frühsommer stehen lässt. Die Pflanzenstängel bieten einen unverzichtbaren Nistplatz für Wildbienen und andere Insekten. Ein weiterer positiver Nebeneffekt: Die Wurzeln der abgestorbenen Pflanzen bedecken den Boden und schützen ihn so vor Erosion. Besonders Pflanzen mit ‚markhaltigen‘ Stängeln – wie zum Beispiel Brombeeren – sichern den Lebensraum von Wildbienen.

Blühpflanzen ziehen.

Für die Zertifizierung gibt es neun Kernkriterien. 50% der Pflanzen müssen einheimische Arten sein. Wichtig ist ein großer Artenreichtum. Den kann man erreichen, indem man die Hecke durch einheimische Heckenpflanzen austauscht. In unserem Fall steht an der Grenze zum Gartennachbarn eine Fliederhecke. Die liefert zwar schön duftende Blüten im Frühjahr, hat für Insekten jedoch so gut wie keinen Nutzen.

Die Fliederhecke hat für Insekten so gut wie keinen Nutzen
Die Blätter des Flieder bieten lediglich Wanzen die Möglichkeit ihre Eier abzulegen.

Im nicht kleingärtnerisch genutzten Teil des Gartens (außerhalb der Beete) bietet sich ein sprichwörtlich bunter Strauß an Möglichkeiten, die Artenvielfalt mit wenig Aufwand zu erhöhen. In unserem Fall haben wir die Brombeerpflanze durch ein Spalier unterstützt und werden für Insekten, Vögel und Igel ein Ecke mit Totholz aus dem Heckenschnitt anlegen. Optisch ansprechend ist auch die Gestaltung einer Benjeshecke. Etwas aufwändiger ist die Schaffung eines Käferkellers, der neuen Lebensraum – beispielsweise für den Hirschkäfer – bildet.

Einfach zu schaffen ist eine Rohbodenfläche. Dabei wird „[e]ine freie Fläche, bedeckt mit Sand, Erde oder Lehm, […]ein potenzieller Standort für die Neuansiedlung von Pflanzen und Sämlingen. So eine Fläche wird auch gerne als „Baustofflieferant“ und Wohnquartier durch diverse Insekten und Tierarten genutzt.“

Invasiven Neophyten keine Chance geben

Invasive Neophyten sind Pflanzen, die sich stark ausbreiten, andere einheimische Pflanzen verdrängen und damit die Biodiversität schädigen, teils auch die Gesundheit. Sie dürfen deshalb in naturnahen Gärten nicht vorkommen.

Leistungsfähige Handy-Apps wie Plantnet oder FloraIncognita geben in Sekunden Klarheit über Pflanzennamen. So haben invasive Neophyten keine Chance
Einige Neophyten wie die Goldrute sind für die Fachfrau auch ohne Handyapp erkennbar. Hier wird im naturnahen Garten gleich mit dem Spaten kurzer Prozeß gemacht.

Sinnvoll ist es auch, die Pflanzen wandern zu lassen. Einige Pflanzen, wie zum Beispiel die Erdbeeren vermehren sich durch Ausläufer. Hier gilt es zu beobachten, auf welchem Boden die Ausläufer besonders gut gedeihen. Das schont nicht nur den Rücken, es hilft auch der Umwelt. Um eine möglichst große Vielfalt an Blühpflanzen zu schaffen, ist es aber unerlässlich immer wieder beherzt einzugreifen. Auch für stark gefährdete Insekten wie die Sandhummel extrem nützliche Pflanzen, wie der gemeine Hohlzahn (in allen Teilen essbar), können sich so stark verbreiten, dass der Raum für andere Blühpflanzen schwindet.

Der gemeine Hohlzahn ist in allen Teilen essbar. Er kann nach dem Bundeskleingartengesetz also auch in den Gemüsebeeten des Kleingartens stehen bleiben.

Pluspunkte bei der Prämierung bringt auch ein Sandarium, das gerne mit einer Trockenmauer umrandet sein darf und sich für ein Magerbeet eignet.

Bis zur endgültigen Prämierung haben wir in unserem Garten noch eine Menge Arbeit vor uns. Wir halten Euch hier auf dem Laufenden.

Erster Termin für die Gartenprämierung

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.